Ich nix Chef

Die Piraten in Österreich haben nun auch ihre Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl im Herbst bekannt gegeben. „Der Standard“ hat dem neuen Spitzenkandidaten Mario Wieser auch gleich die Möglichkeit gegeben, sich dem österreichischen „Bildungsbürger“ (die Zielgruppe dieser Tageszeitung) in einem  Interview zu präsentieren. Schon die erste Aussage des jungen Mannes macht das Prinzip der Piraten klar. „Nicht ich, sondern die Basis ist der Chef.“

Mario Wieser (2. von rechts)

Mario Wieser (2. von rechts)

Lieber Mario!
Ich hoffe, es geht in Ordnung wenn meiner einer Dich mit Vornamen anspricht?
Erstmal Gratulation zu Deiner Befähigung. Meiner einer setzt in die Piraten eine große Hoffnung, auch wenn die 4% Hürde nicht leicht zu knacken sein wird. Dein Interview, wie auch die Moderation durch die Piraten, lässt jedoch schwere Zweifel aufkommen, ob Euer Konzept funktionieren wird. Daher würde es uns, sicher einige der ca. 2000 Leser des Wildweststeirers sowie meiner einer freuen, wenn Du der Erste wärst, welcher dem Wildweststeirer auch antwortet. Oder musst Du dazu erst die Community der Piraten befragen?

Inkompetenz
Deine Aussage erinnert meiner einer ein wenig an einen Arbeiter mit Migrationshintergrund, den meiner einer in einem Tiroler Hotel kennenlernen durfte. Der jedes mal, seine Unfähigkeit bei Problemen in seinem Arbeitsumfeld einzugreifen, mit: „Ich nix Chef“ entschuldigte. Auch wenn sein ganzer Arbeitsbereich unter Wasser stand, was durch das schließen eines Wasserhahns leicht zu verhindern gewesen wäre. „Ich nix Chef“. Es war für ihn so etwas wie die Universalantwort auf Inkompetenz. Du willst also auch alle Entscheidungen mittels „Online-Tools mit Liquid Feedback“ treffen? Dazu kann meiner einer nur sagen:

„Politik ist kein Kindergeburtstag“
Willst Du dann zu den Verhandlungen mit den Vertretern der verschiedenen Parteien zu einem dringlichem Thema, mit Headsed und Kamera erscheinen, damit Du ständig mit der Community Deiner Partei verbunden bist?  Sei meiner einer bitte nicht böse, doch da kannst Du auch gleich vor den Delegierten der anderen Fraktionen die Hose runterlassen. Meinst Du wirklich, dass diese Dich dann noch ernst nehmen? Gut, vielleicht lässt sich das ja technisch so lösen, dass es nicht auffällt? Die „Internet-Affinität“ der Piraten ist ja bekannt.

„Internet-Affinität“
Wenn denn die „Internet-Affinität“ der Piraten so groß ist, ihr tatsächlich so geübt seid, diese Technik effizient zu nutzen, wie kommt es dann, dass die Kommentare im Artikel des Standard völlig unkommentiert von den Spitzenkandidaten sind? Die Basis der Piraten und deren Sympathisanten zeigen immerhin eine rege Beteiligung. So wird ein Kommentar einer Userin, zu der praktisch reinen Männermannschaft, mit „Dann sollen die halt Grün wählen“ kommentiert. In einem anderen Kommentar wird einer Userin empfohlen nicht zu sudern (sudern: österreichischer Ausdruck für zickiges Gejammere). Meiner einer kann bei all der „Internet-Affinität“ welche die Piraten bekunden, einfach nicht verstehen, dass sich keiner eurer Spitzenkandidaten um die Kommentare im „Der Standard“ kümmert. Wie könnt Ihr diese Chance ungenutzt verstreichen lassen? Demokratie im Internet findet auf vielen Plattformen statt. Oder ist dass Eure Vorstellung von Demokratie?
Sorry, aber sich gegenseitig in den eigenen Foren virtuell auf die Schulter zu klopfen, ist meines Erachtens zu wenig. Das können die etablierten Parteien im „Real-Life“ wesentlich besser. Wenn schon in den Kommentaren des Standard, die Zeitung ist für das Niveau ihrer Leser durchaus bekannt,  solche Kommentare vorkommen, was meinst Du, welche Hilfe Dir die Basis zu komplexen Fragen geben wird?

Die Basisdemokratie
Ist ein durchaus löblicher Ansatz, der bei allen anderen Parteien Anlass zu großer Sorge um unsere Demokratie gibt. Doch auf was soll die beruhen? Etwa so, wie in diesem Beispiel?
Ein anderer Kommentator bekundet durchaus Sachkenntnis im Bereich der Wirtschaftspolitik und lobt die Position der Piraten zu den Kontrollorganen der Geldschöpfung. Doch fehlen auch ihm die Strategien, wie diese konkret umgesetzt werden sollen. Das wird dann mit einem „Bei dem vielen Unrecht nicht vergessen: Unbedingt wieder SPÖVP wählen. Hast recht! Lass ma’s so wie s ist“ beantwortet. Das kann es doch nicht sein, oder?
Meiner einer ist ja auch schon Member in Eurem Forum. Ja, da ist der Ton durchaus adäquater. Doch werden meine Überlegungen nur mit den Statistiken  beantwortet, die auch von den regierenden Parteien genutzt werden, um Fehlentscheidungen zu untermauern.
Welch eine Hoffnung? Demnach werden wir von den Piraten ganz demokratisch weiter an die „Gesellschaften des legalisierten, organisierten Verbrechens“ verkauft. Doch Du kannst dann ja nichts dafür.

Ich nix Chef
Du willst doch, dass meiner einer Dir seine Stimme gibt? Doch was man bisher versteht, entsprichst Du dann eher einem Borg im Plenarsaal. Trittst Du dann auch mit den Worten: „Wir sind Demokratie, Widerstand ist zwecklos“ auf? Da Du ja ausschließlich die demokratische Entscheidung der Community referierst, wäre dies sogar sehr angebracht. Für Fehlentscheidungen kannst Du demnach wohl auch nicht verantwortlich gemacht werden? Jede Entscheidung wurde ja von der Basis getroffen. Ob der Diskussionskultur der Piraten und dem Verständnis für Finanzpolitik, müsste ich dann jedoch versuchen, allzeit im Forum anwesend zu sein, um den Lobbyisten im offenen Forum entgegen zu wirken. Welche sicher keine Defizite in Fragen der Argumentation haben werden.

Lobbyismus
Das wird für die Lobbys die am billigsten zu manipulierende Partei. Keine großen Parteispenden. Keine hohen Kosten für die Begünstigung von Spitzenkandidaten. Einige Wirtschaftsstudenten welche für ihre Beiträge eine kleine Zuwendung bekommen, reichen völlig. Was meinst Du wie schnell euer Forum von Lobbyisten unterwandert wird?  Also reiß Dich am Riemen und zeige uns, dass Du die Grundlagen verstehst! Ein guter Chef ist fähig die Interessen der Mitarbeiter zu vertreten, ohne jeden einzelnen Schritt mit diesen abzusprechen. Wenn Du Dich nur auf das verlassen willst, was im Forum abläuft, hat meiner einer in Zukunft enorm viel Arbeit, um Verträge zu sichten und die Hintergründe zu verstehen, um dann in dem Forum diese noch gegen die „Hör-auf-zu-sudern-Member“ zu argumentieren. Da kann doch meiner einer den Job auch gleich selber machen.
Also, einigen wir uns doch einfach darauf, Du bist der Chef und wir die Basis.

Viel Erfolg dabei, Dein Wildweststeirer

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19 Responses to Ich nix Chef

  1. Mario Wieser says:

    Lieber Wildweststeirer!

    Das „Ich nix Chef“ ist keine Ausrede, sondern Teil der neuen Politik der Piraten. Wir brauchen keinen „starken Mann“, wie er von vielen anderen Parteien propagiert wird – wir sind im Kollektiv stark. Die Entscheidungen, die ich aufgrund des Willens der Basis treffe, habe ich aber sehr wohl selbst zu verantworten. Es wird auch mein (unser) Job als Parlamentarier sein, die Grundlage für fundierte Entscheidungen zu schaffen, indem ich (wir) die mir (uns) vorliegenden Informationen aufbereite(n). Wenn es um Entscheidungen und Abstimmungen geht, die nicht durch die Basis explizit entschieden wurden, haben wir nach bestem Gewissen nach unseren Grundwerten zu entscheiden.

    Das Piratenforum würde ich nicht überbewerten. Es ist, was es ist – eine Plattform zum Meinungsaustausch, wo sich Störenfriede genauso einfinden wie Menschen mit guten Ideen. Die Grundlage unserer Entscheidung ist aber LiquidFeedback, unsere Online-Abstimmungsplattform. Hier hat jeder Pirat eine Stimme, und dort gefällte Entscheidungen sind zu akzeptieren. Die Lobbyisten schau ich mir an, die versuchen, 450 einzelne Piraten zu überzeugen oder zu überstimmen, bevor sie den leichteren Weg über einen Politiker gehen, der alle Macht auf sich konzentriert …

    Deine Kritik in Bezug auf das Posten in Foren von Tageszeitungen werde ich mir zu Herzen nehmen. Ich hatte leider in den letzten paar Tagen wenig Zeit, mich auf Diskussionen in allen möglichen Plattformen einzulassen, da ich ein Interview nach dem anderen gegeben und eine Anfrage nach der anderen zu beantworten hatte.

    Ich denke, in deinem vorletzten Satz hast du das Konzept der Piraten schon fast begriffen: „Da kann doch meiner einer den Job auch gleich selber machen.“ Richtig! Wir sind die „Do-it-yourself“-Partei. Es hängt von jeder und jedem Einzelnen ab, wie sich die Piraten in Österreich entwickeln und nicht von der einen Person, die jetzt auf Platz eins einer Liste gelandet ist, weil das Wahlsystem uns einen Listenersten aufzwingt.

    Arrrr
    Mario Wieser

    • Wildweststeirer says:

      Lieber Mario!

      Sehr gut. Das ich nicht in jedem Punkt deiner Antwort mit Dir konform gehe, liegt in der Natur der Politik. Dem ist auch gut so. Wenn ich Dich dazu gebracht habe, das Internet auch außerhalb der Parteiinternen Plattformen im Auge zu behalten, freut mich das sehr. Auf Google+ kann ich da auch gerne meine Mithilfe anbieten.
      Doch denke ich das eine weitere Diskussion über die Einzelfragen hier nicht zielführend ist.

      Viel Erfolg, Dein Wildweststeirer

      • Anton Schweißer says:

        Du würdest gut ins hochwohlgeborene Forum passen. Von den Mängeln der Piraten liest man dort jeden Tag, den ganzen Tag. Den Kritikern sind die Piraten zu fad und zu blöd, daher investieren sie viel Zeit in ihre Prosa, um dem gebannten Publikum ganz genau zu erklären, was die tollen Autoren davon abhält, für die Piraten auch nur einen Finger zu rühren und was den Piraten dabei alles entgeht. Es sind nur einige wenige, die meisten davon sind vormals hochrangige Ex-Piraten, die sich von hellboy gemobbt fühlten, weil er lange Haare und einen Totenkopf um den Hals hat und trotzdem immer Recht. Wie lange hast du für deinen Artikel und deine Forumposts gebraucht? Bist du arbeitslos, Wildweststeirer?

      • Wildweststeirer says:

        Servus Anton!

        Ja mein Blog nimmt viel Zeit in Anspruch. Dennoch gehe ich einer geregelten Arbeit als Techniker in einem Industriebetrieb nach. Näheres zu meiner Person findest Du auf der Seite des Wildweststeirer.
        Der von dir beschriebene Widerstand gegen sachliche und fachliche Argumentation von einigen Personen, die Politik mit einem Kindergeburtstag verwechseln, führte eben unter anderem zu diesem Beitrag.

      • Anton Schweißer says:

        Welchen Kindergarten meinst du? Den konfliktprüden Vorstand oder die schmollenden Ex-Vorständer, die inkognito im Forum auf Missstände hinweisen?

        Es ist sehr verwirrend. Man weiß gar nicht, wer die Freunde und wer die Feinde sind:
        – viele im Forum haben nicht die leisteste Ahnung was z.B. freie Meinungsäußerung ist, aber das sind das dann die einzigen, die bereit sind, das Forum zu modiereren
        – viele diskutieren ausschließlich hellboy, aber das sind dann
        die einzigen, die dem Vorständen genau auf die Finger schauen, damit sich hellboy ärgert, wenn wieder was los ist
        – viele Piraten wollen nur in die Zeitung kommen, daber das sind dann wieder diejenigen, die das Dichten besser anderen überlassen sollten
        – die gewählten Vertreter wurden durch Fleiß an die Spitze gespült und machen passable Außenvertretung, aber null InnenvertretungManieren sind oder ein Rechtsstaat
        – im Augenblick regieren bei den Piraten die „wir sind die 100%“-Kultisten. Das soll heißen: „Können wir nicht alle Freunde sein? Können wir vielleicht nur ein bisschen überwacht und abgezockt werden? Da hätten wir doch alle was davon…“ Dieser sogenannte „Flausch-Kurs“ steht dem technischen und sittlichen Fortschritt im Wege. Das treibt die echten Piraten zur Weißglut und in den Terror-Untergrund.

        So wird es schwierig, mit irgend jemanden zusammenzuarbeiten, vor allem, wenn das außerhalb der üblichen Piratenbürokratie zur Verwaltung zukünftiger Arbeit und Verantwortlichkeiten stattfinden soll. Sogar der ansonsten tadellose Vorzeigepirat hellboy ist ein Fetzenschädel, weil er Tourette-Syndrom hat und es nicht lassen kann, andere Teilnehmer als „geisteskranke Lügenmäuler“, „mentale Aasfresser“ oder „Satansbrut von Systemwühlmäusen“ zu bezeichnen.

        Piratisch gesehen hat die Partei den Großteil der Störer schon rausgeschwitzt, was traditionellerweise von den gewählten Bundesvertretern gebremst wird, damits länger dauert und nach und nach peinlicher wird. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie operativ überhaupt nichts zustande bringen. Zum Glück kriegen sie die Öffentlichkeit fast ganz geschenkt, aber das lässt schon nach.

      • Dieter says:

        Du fragst ob er arbeitslos ist. ich frage:
        ist es erstrebenswert oder gar erhebend, einem „Job“Ritual anzuhängen?
        (wir sind zu viele und zu fleissig geworden: entgegen allem in der Schule Gelernten ruinieren wir die Welt umso gründlicher, je „fleissiger“ wir speziell in „Wirtschaft“ und „Industrie“ wir sind …)
        wer sich heute noch über „Berufe“ definiert, hat zumindest seit 20 Jahren das Jahrhundert verpasst, auch wenn das der Affinität zu Gewohntem wehtut.

    • Sumsum says:

      Die 450 einzelnen Leute die überzeugt werden müssten sind in Wahrheit nicht mal 50 die aktiv im LQFB teilnehmen.

      • Wildweststeirer says:

        Die 50 sind schon sehr gutmütig geschätzt Sumsum.
        was ob der Übersichtlichkeit und der Funktionen im Forum auch nicht verwunderlich ist. Bin nicht ganz unbedarft in der Nutzung eines Forum, doch dieses stellt mich sogar vor echte Herausforderungen.

    • Zaungast says:

      Man muss erst einmal verstehen, woher dieser Nix-Chef-Unsinn überhaupt kommt:
      Sylvester „Hellboy“ Heller hat mal vor geraumer Zeit mit ein paar anderen Wienern die Partei gesprengt. Damals hatte man fähige Leute, sowohl in Vorstand und Geschäftsführung als auch in der Technik. Diese wurden hinausgemobbt, weil sich ihr Verständnis von moralisch einwandfreiem Verhaltens nicht mit dem des Hellboys deckten. Danach war die Partei etliche Monate lang praktisch tot und wurde in ihren kümmerlichen Resten nur mehr von Hellboy zusammengehalten, der damals auch zum als Nachrückkandidat zum BV aufgestiegen war – vormals von der Basis klar als BV abgelehnt kam er durch das Ausscheiden fast aller fähigen Funktionäre doch noch in den Machtgenuss.

      Hellboy selber hat ein extrem großes persönliches Problem mit Autoritäten und in dieser Zeit, als die (Bundes)Partei nur mehr aus einer Handvoll aktiven Mitgliedern bestand, hat er einfach verlautbart, dass die Partei künftig keine „Chefs“ im Sinne der alten Vorstände und des damals existenten Bundesvorstandsvorsitzenden benötigen würde. Diese Aussagen kamen gut an, die wenigen Hinterbliebenen waren eben im Clinch mit dem vorangegangenen BVV gelegen, und wurde so unhinterfragt übernommen. Keine Basisabstimmung, kein Mehrheitsbeschluss, Herr Heller hatte es so verlautbart und so war es dann auch.

      Danach kamen die Wahlerfolge der Deutschen Piraten und plötzlich fanden sich neue Leute, die in die Partei strömten. Dort wurden sie als erstes damit indoktriniert, dass es bei den Piraten eben keinen Chef gäbe sondern die Basis der Chef sei. Die einzeln neu Ankommenden hinterfragten dies auch in der Regel nich und wenn doch wurde man von Hellboy gleich so persönlich beleidigt, dass man oft eh schnell wieder austreten wollte.

      Und das ist mal der Status Quo, bei dem sich die Partei befindet und der, imho zurecht, vom Wildweststeirer kritisiert wird. Fruchten wird es leider genau so wenig wie wenn man katholisch erzogene Menschen dazu bringen möchte, die Sinnhaftigkeit der Dreifaltigkeit zu hinterfragen.

      „Basisdemokratie kann also nur mit mündigen Basisdemokraten klappen.“ finde ich, ist ein gutes Zitat. Nur, wo sollen diese mündigen Basisdemokraten bitte herkommen? Die Partei hat keinerlei Einstiegshürden, sogar von überwiegender Parteibasis ausgeschlossene Ex-Piraten können nun jederzeit erneut eintreten. Die Mitgliedsbeiträge sind absolut lächerlich, auch 10-jährige können sich es leisten, da mit zu machen. Bestenfalls kann die Basis bei den Piraten also ein Querschnitt der Bevölkerung sein. Und wer z.B. einen Führerschein gemacht hat, hat gesehen, wie der Querschnitt der Bevölkerung aussieht und wie mündig dieser ist.

      Die kriegen dann eine E-Mail, dass sie jetzt sagen dürfen, ob sie einen bestimmten Antrag gut finden oder nicht, den Antrag kann jeder (auch Nicht-Piraten) eingebracht haben. Woher sollen denn bitte die Leute kommen, die sich alle dann in das Thema einlesen, auch unbequeme Ressourcen dazu ausfindig machen, die z.B. ihrem eigenen Weltbild gerade nicht entsprechen und die auch die nötigen zeitlichen und geistigen Kapazitäten haben, dies zu bewerkstelligen? Wie um alles in der Welt soll auch nur die Mehrheit der Basis diese Eigenschaften aufweisen können? Muss daraus nicht unmittelbar geschlussfolgert werden, dass es bei der Basis der Piraten nie einen hinreichend großen Anteil an mündigen Basisdemokraten geben kann und das Experiment zwingend als Gescheitert betrachtet werden muss?

      Gruppen von Menschen brauchen immer Führung und Menschen, die Führungsrollen wahrnehmen. Eine Partei, die per Autoritätskomplex eines eben solchen, wenn auch höchst umstrittenen und mittlerweile ausgeschlossenen Mitglieds, für sich behauptet, die Natur der soziologischen Gruppendynamik gänzlich ignorieren zu können, trägt ihre geistige Bankrotterklärung also offen und öffentlich vor sich her. Das unweigerliche Scheitern wird verdient sein.

      ’nuff said.

      • Just:Me says:

        Dazu kommt, dass offensichtlich ein Datenleck sprudelt, und es wird einfach weggesehen und abgestritten. Während Daten von Piraten und Expiraten gleichermaßen den Weg in das weite Meer der Daten finden.

      • Nestor says:

        Ola!Schade, dass auch die Piraten das Volk fc3bcr zu dumm fc3bcr konkrete pohicistle Ziele halten und stattdessen wohlklingende Floskeln von Freiheit, Gerechtigkeit und Privatspc3a4hre verbreiten.Mir fehlt ein ehrliches das muss weg und das wollen wir stattdessen .Auch das Programm bleibt in weiten Bereichen jegliche Antwort schuldig Bis zu einem Einzug in den Bundestag wird es deshalb noch die eine oder andere Legislatur brauchen.An der Wahlurne zc3a4hlen Taten nc3a4mlich mehr als Sonntagsreden.Mit hanfigen Grc3bcc3ŸenSteffen

    • Moo says:

      Ach, diese alten Filme sind echt Klasse. Und stimmt: iregdnwie erinnert es wirklich daran, ist mir noch gar nicht aufgefallen.Der Pirat hatte sicher diesen Film im Hinterkopf beim Shooting

  2. mary says:

    Sowohl der Artikel als auch die Antwort sind ja extrem dünn und nichtssagend.
    – Wer ist Chef, oder „nix Chef“, latenter Rassismus??
    – Wer schreibt wo in welchem Forum.
    – Welche Partei wird von Lobbies bezahlt – Verschwörungstheorien??
    Mich würde ein auch nur kleiner Punkt zu irgendwelchen, sogar zweitrangigen aktuellen politischen Problemen mehr interessieren, als dumber Unwitz und das ständige Wiederholen einiger moderner Fremdwörter.

    • Wildweststeirer says:

      Liebe Mary!
      Weder meiner einer noch vermutlich Mario ist ein Rassist.
      Den Akzent eines Mitarbeiters mit Migrationshintergrund zu benutzen ist nicht rassistisch. Rassistisch ist es, wenn man eine Unterschied zwischen dem ach so feinen französischen Akzent und dem etwas grobschlächtigen Akzent eines Menschen vom Balkan macht;)

      Wir, meiner einer ist da genau so dabei, schreiben im Forum der Piraten. Wo Basisdemokratie eben geübt wird.

      Derzeit wird jede Partei von Lobbys bezahlt. Die Spendenlisten sind öffentlich zugänglich.

      Das dieser Beitrag dir nicht zusagt, steht Dir natürlich zu.

      LG. der Wildweststeirer

  3. zweipunktnull says:

    Es müssen nicht 450 Piraten überzeugt werden.
    Es stimmen sowieso nur im Durschnitt 60-80 Leute ab.
    Dabei sind Super Delegierte, die durch Stimmendelegation und Schachteldelgationen den Großteil ausmachen.
    Das lässt sich auch an der Teilnahme der der letzten BGV festmachen.
    ca 65 Leute wollen die Welt regieren.
    Datenschutz und Transparenz gelten nur für andere, nicht für die Piraten.
    Das Programm ist zum großen Teil Copy&Paste von den Deutschen übernommen, oft nur ein zusammen würfeln von Forderungen ohne Lösungen.
    Basisdemokratie? Eher eine Klick-Demokratie mit diktatorischen Zügen.

    • Wildweststeirer says:

      Lieber Zweipunktnull!

      Dein Kommentar ist nichts anderes, als eine Kopie von Textauszügen von Anton.
      Was ist Deine Meinung dazu?

    • Adan says:

      Die Piratenpartei betrachte ich gerdae wegen ihrer chaotischen Mitwirkungskonzepte kritisch. Allzuviele programatische Fragen sind (bewusst) unbeantwortet und lassen so Raum fc3bcr die ganz private Utopie von der besseren Partei .Ich fc3bcrchte, dass sich viele der gegenwc3a4rtig angenehm engagierten Piraten mit Schaudern von ihrer Partei abwenden werden, wenn diese den Minimalkonsenz ihrer Mitglieder Informationelle Freiheit und Selbstbestimmung verlassen muss, um schnc3b6de Tagespolitik zu leisten.Die besseren Antworten auf Fragen der Netzgemeinschaft haben die Piraten das gestehe ich ihnen gerne zu. Eine Zerreic3Ÿprobe musste bisher aber weder die Parteispitze noch die Basis verkraften.Egal ob Auslandseinsc3a4tze der Bundeswehr, Familienmodelle jenseits der zweigeschlechtlichen Ehe, Deutschlands Zukunft in der EU oder die schlichte Frage Hasch legalisieren? die Piraten bleiben die Antwort schuldig, weil sie wissen, dass ihre Mitglieder keineswegs so homogen sind, wie es die verkc3bcrzte Mediensicht auf die Themenpartei sugeriert.c3„ndern gerne, aber mit klaren Zielen! Entern gerne, aber nur wenn klar ist, wer dann am Steuer steht und wo der hin will.Mit hanfigen Grc3bcc3ŸenSteffenP.S. Mal drc3bcber nachgedacht, dass es zum Piratenmythos gehc3b6rt, dass der Kapitc3a4n den Goldschatz heimlich vergraben lc3a4c3Ÿt. Davon dass die Mannschaft in aller Regel am Galgen endete, will ich mal hc3b6flich schweigen.

  4. Wildweststeirer says:

    Lieber Anton!
    leider lässt der Blog keine weitere Direkte Antwort zu.
    Da meiner einer sich mit der Software nicht wirklich auskennt, kann er das auch nicht ändern. Hoffe Du findest die Antwort dennoch?

    Diese inneren Querelen sind auch meiner einer aufgefallen.
    Da er sich jedoch um Sachthemen kümmert, lässt er diese Diskussionen den Nerds.

  5. VinPei says:

    Lieber Wildweststeirer,

    hier nun die versprochene Antwort zu Deinem Beitrag, „Ich nix Chef“.

    Wie vorab schon angekündigt handelt es sich dabei um die persönliche Meinung eines Basismitglieds der Piraten. Ich bin weder Spitze noch Chef – aber das spielt bei uns eigentlich auch gar keine Rolle – jeder sollte sich verantwortlich fühlen – und gerade das ist der Kern der Basisdemokratie.

    Und genau damit sind wir schon mitten im Thema und bei einem großen Missverständnis. Basisdemokratie bedeutet nicht, sich vor der Verantwortung zu drücken oder keine Meinung zu haben, wie der in deinem Beitrag zitierte Hausangestellte eines Tiroler Hotels, sondern setzt ganz im Gegenteil, verantwortliches Handeln jedes einzelnen Piraten voraus, wenn sie funktionieren soll.

    Wir müssen uns schon die Mühe machen, uns gründlich in Themen einzuarbeiten, uns zu informieren, uns der Tragweite unserer Entscheidungen, bewusst zu sein und uns mit Positionen, die wir für richtig halten hervorzuwagen. Basisdemokratie kann also nur mit mündigen Basisdemokraten klappen.

    Basisdemokratie ist somit nicht Chaos, sondern eine Demokratieform, die jedem Mitglied auf der einen Seite mehr Teilhabe an Entscheidungen beschert, auf der anderen Seite aber auch mehr abverlangt. Sie steht damit in Korrelation zur direkten Demokratie auf staatlicher Ebene, die m.E. das einzige probate Mittel gegen eine zunehmende Politikverdrossenheit ist und den Rückzug der Menschen ins Private, aufhalten kann. Basisdemokratie und direkte Demokratie berauben den Einzelnen seiner bloßen Statisten- und Kritikerfunktion und machen ihn zum Handelnden, der auf der Suche nach Unterstützern für seine Anliegen ist.

    Piraten brauchen keine Chefs – sie brauchen Koordinatoren, die keine politischen Eunuchen sein dürfen, aber auf jeden Fall stark genug sein müssen, den Versuchungen des sich selbst zu wichtig nehmens und des Machtgewinns zu widerstehen. Sie wirken nach außen als Sprachrohr der Partei und nach innen moderierend.

    Ich denke nicht, dass wir Piraten die Basisdemokratie schon perfekt beherrschen und glaube auch nicht, dass Perfektion überhaupt möglich ist. Aber auch das jetzige Parteiensystem ist bei weitem nicht perfekt – und Basisdemokratie bietet allemal mehr Teilhabe des Einzelnen. Das Experiment Basisdemokratie ist auf dem richtigen Weg und die heutigen modernen Kommunikationsmitteln bieten uns die Möglichkeiten dazu, Demokratie auf einer höheren Entwicklungsstufe zu praktizieren, als das früher möglich war – das sieht man schon daran, wie unsere Mitglieder gemeinsam mittels LQFB ein Parteiprogramm erarbeiten das täglich organisch weiter wächst.

    Die Zeit der Parteiführer und Chefs geht zu Ende, wie auch die Zeit der Kaiser und Könige zu Ende gegangen ist. Die Stronachs und Straches sind Auslaufmodelle, für diejenigen, die noch in den alten Mustern denken und noch nicht bereit sind, selbst zu Handelnden zu werden. Die Piratenbewegung dagegen ist etwas völlig neues – mag sein, dass sie noch viel lernen muss, dass es manchmal nur langsam voran geht oder, dass sie Rückschläge erleidet. Aber ganz sicher ist sie die weltweite Bewegung, die Demokratie mittels moderner Kommunikationsmittel und Vernetzung wieder direkt zu den Menschen zurück bringt, wo sie hingehört. In den alten griechischen Stadtstaaten lenkten die Bürger die Geschicke ihrer Staaten auf dem Forum selbst – heute heißt das Forum Internet.

    Bei Verhandlungen ist es natürlich schon so, dass ein Piratenvertreter Entscheidungen von der Basis absegnen lassen muss. Aber im Grunde ist das bei den Altparteien doch auch nicht viel anders – da kann (zumindest formal) ein Einzelner auch nicht für die Gesamtpartei sprechen. Nur ist es dort eben so, dass der Parteivorstand oder eine Delegiertenversammlung die Verhandlungspositionen vorgibt – das ist wenn man moderne Formen der Kommunikation nutzt technisch also auch nicht wesentlich unkomplizierter, als wenn die Entscheidungskompetenz bei der Basis liegt.

    Dass es Gerade bei den deutschen Piraten in der Vergangenheit so war, dass sich Parteivertreter oft mit dem Satz, „dazu haben wir noch keinen Beschluss“, aus der Affäre gezogen haben, war unglücklich und hängt uns noch immer nach. Mittlerweile haben wir aber hier in Österreich zwar noch kein vollständiges Programm aber zumindest eines, das eine große Bandbreite von Politikfeldern abdeckt. Die veröffentlichte Meinung kolportiert zwar auch heute gerne noch ein anderes Bild – tatsächlich ist das aber Schnee von vorgestern. Im übrigen finde ich es reichlich unfair, von uns sofort etwas zu verlangen, wozu andere Parteien fast 70 Jahre Zeit hatten und doch nichts wirklich prickelndes zustande gebracht haben.

    Ich weiß nicht, ob die Beiträge der Piratenbasis in den Kommentaren zu Zeitungsartikeln wesentlich unqualifizierter sind, als die von Mitgliedern etablierter Parteien. Ich habe z.B. von ÖVP-Lobhudlern in der Tiroler Tageszeitung schon furchtbar grottige Sachen gelesen. Im Übrigen haben wir ja auch erst eine Handvoll Nationalratskandidaten gewählt – und die sind ja nun mal keine Berufspolitiker, die den ganzen Tag Zeit haben, in allen medialen Gassen herumzustreunen und ihre Weisheiten zu verbreiten. Aber gut wäre es natürlich schon, wenn man gewisse Dinge nicht unkommentiert stehen lässt. Da sollten wir noch an uns arbeiten. Wobei der Faymann und der Spindelegger ja auch nicht jeden kritischen Artikel selbst kommentieren.

    Es ist schon richtig, dass kleinere Parteien Gefahr laufen, von Lobbyisten, Verschwörungstheoretikern, Sekten und anderen „interessanten“ Gruppierungen unterwandert zu werden. Versuche gab es da bei den deutschen Piraten schon einige – kann auch in Österreich passieren. Aber da muss man eben ein Auge drauf haben und gegensteuern. Deshalb aber paranoid werden und die Basisdemokratie abschaffen? Nein, danke!