Quo vadis Europa?

Nachdem die Zwangsabgabe gescheitert ist, welche grundsätzlich mal die richtige Richtung gewesen wäre, liegt es meiner einer am Herzen, die Probleme Zyperns zusammen zu fassen. Sie zeigen wie die Hochfinanz tickt und dass die Welt so eben nicht funktionieren kann. Doch so lange wir nicht verstehen, dass zu viel Liquidität am Markt existiert, so lange werden wir das Problem eben auch nicht lösen. Doch wie wollen wir von den Bürgern verlangen, dass sie das Problem verstehen, wenn uns sogar „Super-Mario“, der oberste Währungshüter Europas, nicht die Wahrheit sagt?

Mario Draghi

Mario Draghi (EZB Chef)

Sehr geehrter Herr Draghi!

Es wird immer offensichtlicher, dass man von Ihnen keine Lösung der Eurokrise erwarten darf. Wenn Sie schon bei Ihrer letzten Pressekonferenz am 7. März in Frankfurt, auf die Frage, ob eine Inflation oder eine Deflation die Gefahr für Europa sei, mit der Antwort kommen: „Der Markt ist nicht sehr liquide“. Ab wieviel mehr an Kapital ist denn Ihrer Meinung nach der Markt liquide? Reicht das 5 bis 10 fache an Kapitalvermögen gegenüber Investitionen nicht aus? Ab welchem „Gini-Index“ meint denn unser EZB Chef, dass man diesen ominösen „Markt“ nicht mehr in den Popo kriechen muss?

Overkill
Der „Markt“ den sie so schützen, hat fünf bis acht mal so viel Kapitalvermögen wie der Rest der Wirtschaft überhaupt an Krediten benötigt. Dieses mehr an Kapital, hat so lange wir erwarten, dass dieses immer noch Gewinne abwerfen muss, die Wirkung eines Overkills für die Wirtschaft. Das scheint Ihnen ja bewusst zu sein? Die niedrigen Zinsen für Kredite bei der EZB sind ja das richtige Signal für die Wirtschaft. Doch so lange diese niedrigen Zinsen nur für Banken und Großinvestoren gelten, werden nur diese von diesen niedrigen Zinsen profitieren. Klasse, der „Markt“ wird also weiter beruhigt. Während die Wirtschaft weiter mit Steuern belastet wird und die Konsumenten immer weiter enteignet werden. Dies stört ja scheinbar nicht weiter?

Zypern
Das sehen wir nun sehr gut an Zypern. Da hätte man es doch tatsächlich gewagt, die Guthaben an der Sanierung der Staatsfinanzen zu beteiligen. Gut, die ausländischen Investoren standen schon mit ihren Anwälten im Kontakt, weil man ja die Investitionen durch „Bilateral-Investment-Treaties“ vor jeglichen Zugriff schützt. Und wie man bereits hörte, wurde die politische Elite auch vorgewarnt, denn man muss das erfolgreiche Geschäftsmodell Zypern unbedingt erhalten. Erfolgreich für wen?

Die „Gesellschaften des legalisierten organisierten Verbrechens“.
Zypern hat also einen gewaltigen Bankensektor mit nierigen Kontrollen und Steuern angelockt. Das dann dabei eben nichts reinkommt, ist ein anderes Problem. Nun wollen diese „Investitionen“ jedoch Gewinne erhalten. Woher sollen diese denn kommen? Der Finanzsektor Zyperns ist um ein vielfaches größer als die Wirtschaftsleistung. Also muss dann die Wirtschaft weniger Gewinne machen um die Gewinne der „Finanzindustrie“ zu sichern. In Zypern eben ca. 10 mal so viel wie in Mitteleuropa. Wie soll denn das bitte funktionieren? Ach ja, die zyprische Wirtschaft ist dann einfach nicht wettbewerbsfähig genug.
Denn nur eine Wirtschaft, die die übermäßige Kapitalvermögen der Reichsten weiter vermehrt, ist wettbewerbsfähig.  Auch wenn die Wirtschaft ganz tief in der Sch…. steckt. 

Sie sind ein Lügner.
Denn auch Sie betonten in der Pressekonferenz, dass die Wirtschaftsleistung von Zypern sehr klein ist und daher kein Risiko bestünde. „Doch das Systemische-Risiko sei nicht so klein.“ Also wissen auch Sie, dass der Bankensektor viel zu groß ist. Woher kommt denn so ein überzogener Bankensektor, wenn der Markt nicht liquide sei? Der sich, weil die einzig mögliche Lösung, die Beteiligung der Anleger an der Sanierung bevor steht, eh schon seit Februar aus Zypern zurückzieht.

Wir fragen uns einfach wohin Europa geht.
Die Diplomatie wird mittlerweile nur mehr von den „Eliten“ der Hochfinanz beherrscht. Und mit solchen Leuten wie Sie, können wir zu keiner Lösung kommen. Dann bleibt wohl nur mehr die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln? Oder wohin soll denn ihrer Meinung nach Europa hingehen?

Verachtungsvoll, Ihr Wildweststeirer

 

„Bilateral-Investment-Treaties“ (aus Wikipedia)
… sind völkerrechtliche Verträge zwischen Staaten. Sie bieten Direktinvestitionenausländischer natürlicher oder juristischer Personen (z. B. Unternehmen) in einem fremden Staat rechtlichen Schutz, insbesondere gegen eigentumsbeeinträchtigende Maßnahmen wie entschädigungslose Enteignungen. Investitionsschutzabkommen werden häufig als bilaterale Abkommen abgeschlossen (Bilateral Investment Treaty, BIT). Es existieren aber auch regionale Abkommen mit entsprechenden Regelungen.

„Gini-Index“ (aus Wikipedia)
… ist ein statistischesr Faktor zur Darstellung von Ungleichverteilungen.

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