Die „Irenik-economy“

Viele von uns sind mit dem Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ groß geworden. Die meisten werden diesen Begriff mit den deutschen Bundesminister für Wirtschaft, Ludwig Erhard, in Verbindung bringen. Der es nach dem 2. Weltkrieg damit geschafft hat, die USA dazu zu bewegen, die Besatzung Westdeutschlands zu beenden. Die USA wollte ein besiegtes Deutschland ja keinesfalls in den Sozialismus/Kommunismus entlassen. Welcher für viele Bürger damals eine durchaus erstrebenswerte Wirtschaftsordnung darstellte. Auf jeden Fall wurde so eine „Mischform“ der Wirtschaftsordnung gewählt, die auch bei dem Wähler Anklang fand und so die CDU als erste Nachkriegsregierung gewählt wurde.

Ludwig Erhard

Ludwig Erhard

Irenik (nach der griech. Friedensgöttin Eirene)
Weniger bekannt ist, dass Müller-Armack diesen Begriff schon 1947 in seinem Buch „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ einführte, mit dem er seine Gedanken für eine Wirtschaftsordnung Deutschlands nach dem Krieg zusammenfasste. Er versuchte die freie und die geführte Marktwirtschaft in der „Irenischen Formel“ zusammen zu fassen. Der Begriff der „Irenik“ entstammt der Theologie, in der Gemeinsamkeiten gesucht werden, um verschiedene Konfessionen zu befrieden. So versuchte auch er die Gemeinsamkeiten der beiden Wirtschaftsordnungen hervor zu heben, um ein friedliches Zusammenarbeiten auf Dauer zu gewähren.

Die „Geführte Marktwirtschaft“,
ob wir sie nun als Kommunismus oder Sozialismus bezeichnen, geht davon aus, dass das größte Gemeinwohl mit einer geführten Wirtschaft verwirklicht werden kann. Dazu wird jeglicher Egoismus als verwerflich gebrandmarkt und unterbunden. Da der Egoismus jedoch eine ganz und gar menschliche Eigenschaft ist, wird so der Staat zum Gegner des Bürgers. Was zwangsläufig zu „Eliten“ führt, welche sich gegen den Bürger abschotten. Kennen Sie einen kommunistischen Staat, der sich nicht in diese Richtung entwickelte?

Die „Freie Marktwirtschaft“,
hier sind sehr viele Namen möglich, geht davon aus, dass das größte Gemeinwohl mit einer führungslosen Wirtschaft verwirklicht werden kann. Jeder soll für sich selbst das „Beste“ machen, damit es allen gut geht. Da der Egoismus jedoch eine sehr menschliche Eigenschaft ist, wird so der Erfolgreiche zum Gegner des Erfolglosen. Was zwangsläufig zu „Eliten“ führt, welche sich gegen den Erfolglosen abschotten. Kennen Sie einen Staat mit einer freien Marktwirtschaft, der sich nicht mehr oder weniger auf diesem Weg befindet?

Die Endlichkeit
… beider Systeme ist somit vorprogrammiert. Müller-Armack hat dies erkannt und kam zum Schluss, dass beide Systeme zwangweise zu einen Krieg führen müssen. So geht er von einer Wirtschaftsordnung aus, in der durch Sozialleistungen die Balance und somit die Ordnung hergestellt werden muss, um Krieg dauerhaft zu verhindern. Woher die Ressourcen für diese Sozialleistungen kommen sollen, legt er genau so wenig fest wie die Keynesianer. Er vereint einfach die beiden Wirtschaftsordnungen mit der Christlichen Lehre und hofft so eine Grundlage zu setzen, welche die Entwicklung durch die Wirtschaftsstufen von der traditionellen Gesellschaf zur Massenkonsumgesellschaft zu unterbinden und so einen neuerlichen Zusammenbruch/Krieg zu verhindern.

Woran ist die „Soziale Marktwirtschaft“ denn dann gescheitert?
Tja, Ludwig Erhard hat den Ordoliberalismus in die „Soziale Marktwirtschaft“ mit eingeflochten, welcher eine gewisse Führung der Wirtschaft als durchaus gerechtfertigt ansieht. So wird die Vertragsfreiheit wie auch das Privateigentum als unantastbar betrachtet. Die Ordnung soll lediglich durch ein Haftungsprinzip („Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen!“) und einer Geldpolitik erhalten werden. Monopole und Gewerkschaften werden kritisch gesehen, da beide den Markt verzerren können. Was auch ein Verbot von Kartellen bedingte. Immerhin wird die Notwendigkeit von Mindestlöhnen in Ausnahmefällen eingestanden und eine Umweltpolitik sowie der Schutz der Menschenwürde durch Gesetze verlangt. Die Ordoliberalen sehen sich selbst als Gegenpol zu den Neoliberalen. Die Ökonomen der anderen Wirtschaftstheorien sehen sie nur als eine Spielart des Neoliberalismus. Die “ Irenik-economy“ verkommt demnach nur mehr zur Ordnung des  kleinsten gemeinsamen Nenner. 

Siehe die Welt!
Mehr oder weniger ausgeprägt sehen wir heute genau diese Grundlagen in allen Wirtschaftsräumen verwirklicht. Von einer „Sozialen Marktwirtschaft“ ist da nicht mehr viel übrig. Privateigentum ist unantastbar. Was auch geistiges Eigentum mit einschließt. So werden Monopole also nicht durch Kartelle, sondern durch gewaltige Konzerne und ein überzogenes Patentrecht geschaffen. Ein von Lobbys diktiertes Rechts- und Klagewesen soll den Bürger vor einer Übervorteilung bewahren. Oder eben den, der sich mehr Anwälte leisten kann? Dafür wird zum „Schutz der Menschenwürde und seiner Unversehrtheit“ der Bürger mit immer mehr Gesetzen und Überwachung konfrontiert. Sie dürfen nicht von ihrem Bauern von nebenan eine Kartoffel kaufen, welche nicht den exakten Vorgaben entspricht. Dafür ermöglicht ein „Freies Vertragsrecht“ einer „Bank“, Ihnen ein Finanzprodukt unterzujubeln, welches für Sie schlichtweg schädlich und eigentlich kriminell ist. Jegliche Bitte an die „Eliten“ sich an den Kosten der Grundlagen unserer Wirtschaftsräume zu beteiligen, wird mit der Unantastbarkeit des privaten Eigentums abgewimmelt. So werden, weil der gemeine Bürger eben nichts mehr hat, die Erträge unserer Nachkommen bereits zur Deckung dieser Kosten herangezogen.

Der Bürger
… ist nun angehalten einem Wandel zuzustimmen, oder weiterhin den verschiedenen Liberalen das Vertrauen zu schenken. Ich persönlich halte nichts von Umverteilung. Verteilt werden Geschenke. Für mein Verständnis von Fairness soll keiner, der nicht wirklich in Not ist, etwas geschenkt bekommen. Doch es sollte jeder am Erfolg unserer Wirtschaftsräume beteiligt werden. Bei den Kosten, der dafür notwendigen Leistung, wie auch bei den Erträgen.

Ich bin für einen Wandel, um das größte gemeinsame Vielfache zu ermöglichen.

Ihr, Wildweststeirer

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