„Basel III“, oder die Geister die wir rufen?

Sicher haben auch Sie, werte Leser und Leserinnen, schon von „Basel III“ gehört. Einige Artikel und Beiträge in Blogs wie sozialen Netzwerken sind ja bereits zu dem Thema zu finden. Für die ganz unbedarften möchte ich kurz auf die Absicht dieses Regelwerkes für „Banken“ eingehen. Der Beitrag erspart es sich, die genauen Zahlen zu nennen oder wie diese genau gewichtet werden sollen.  Auch eine genaue Einführung in das „3-Säulen-Prinzip“ werde ich Ihnen ersparen. Eventuell werde ich in einem späteren Beitrag die genauen Hintergründe einmal aufzeigen?

Basel III

Basel III

Die Erhöhung der Eigenkapitalquote
… ist nun das vorrangige Ziel von „Basel III“. Eine Bank soll also zukünftig über mehr sogenanntes hartes Eigenkapital verfügen, damit die Anleger auch in Krisen sicher sein können, dass Verluste durch die Banken selbst getragen werden können. Eine Bank darf demnach nicht einfach immer mehr Anlagekapital entgegen nehmen und es dann verleihen. Ihr wirtschaftlicher Handlungsspielraum wird also zukünftig stärker begrenzt. Ungeachtet woher das Kapital kommt. Ob nun die Bank Kredite von anderen Banken aufnimmt, der Zentralbank oder einem Anleger/Sparer. Dazu wurde ein ca. 80seitiges Regelwerk geschaffen, welches klarlegt, was wie und mit welcher Gewichtung zum harten oder weichen Eigenkapital gezählt werden darf. Und ein über 70seitiges „Beiblatt“, welches die genauen Gewichtungen des Risikos für einzelne Geschäftsmodelle festlegt.

Die Einleitung
… ist nun schon mal sehr aufschlussreich.  Einem Nichtbanker fallen sofort Worte wie Konkurrenten und Kontrahenten auf. Gibt es denn keine Geschäftspartner mehr? Demnach hat man aus der Krise gelernt und erkennt an, dass Banken nicht im Sinne der Wirtschaft handeln sondern im Sinne von Konkurrenz.  Auch wird einem sehr schnell klar, dass sich die „Schöpfer“ dieses Werks durchaus bewusst sind, dass die Krise durch die Machenschaften der „Deutschen Bank“, „Goldmnann Sachs“ und „JP Morgen“ verursacht wurden. Jedoch werden keinerlei Anstalten unternommen oder empfohlen, solche Machenschaften zu unterbinden, Sondern es wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass solche Fehler wie die Ruinierung eines Geldhauses aus den eigenen Reihen, wie der Ruin der „ACI“ innerhalb der „Subpirme-Krise“, nicht mehr vorkommen sollen. Immerhin, die unzumutbare Belastung für die Steuerzahler wurde hier als zu vermeidener Faktor erkannt. Man ist also voller Hoffnung auf die weiteren Ausführungen.

Um Enttäuscht zu werden.
Denn sehr schnell wird wieder auf die Wichtigkeit des Bankensektors für die Wirtschaft hingewiesen, welche die Wirtschaft mit Kapital versorgen soll.  Jedoch durch ein umfangreiches Regelwerk für Investitionen in diese Realwirtschaft fast schon ausgeschlossen. Hypotheken dürfen, wenn sie auf Bankeigentum beruhen, durchaus als Aktiva gerechnet werden. Sobald diese jedoch von einem Kreditnehmer kommen, werden sie fast zur Belastung der Eigenkapitalquote. Eine Bank die Hypothekarkredite vergibt wird fast schon als kriminell risikofreudig eingestuft. Diese sollten einer großen Investmentbank möglichst rasch über Forderungsbesicherte Papiere veräußert werden. Also doch aus der Krise nichts gelernt?

Wie ticken Banker?
Was man dann weiter liest, wirkt fast schon wie Satire. Neben der Festlegung der Eigenkapitalquote wird seitenweise darauf hingewiesen, was nicht dazu gezählt werden darf. Stellen Sie sich vor, Moses zeigt den Israeliten die 10 Gebote und zu jedem Gebot gibt es eine 10 Seiten lange Ergänzung!
Somit wird aus: „Du sollst nicht stehlen“
ein 10seitiges Werk in dem es darum geht, alles aufzuklären was denn stehlen sein kann. „Auch der Diebstahl an Kunden ist Diebstahl!
Auch der Diebstahl an Lieferanten ist Diebstahl!
Auch wenn Du das Diebesgut nachher verkaufst ist es Diebstahl“ usw.
Als normaler Mensch fragt man sich schon wie diese Banker ticken? Wenn ich mein Haus mit einer Hypothek belaste, kann ich eben nicht zu einer anderen Bank gehen und das Haus nochmal verpfänden. Für Banker muss man sowas explizit festlegen? Aber gut, Banker ticken eben scheinbar anders?

Die Ratingagenturen
Gerade als man beginnt die Ratingagenturen zu vermissen, welche in „Basel II“ noch von gewaltiger Bedeutung waren, kommen diese wieder ins Spiel. Wenn denn eine Bank Forderungen vom Staat hat, muss das Rating dieser Agenturen mit einbezogen werden. Vor allem, wenn es sich um Rückforderungen von Steuern handelt. Steuerbelastungen werden da nicht so tragisch gesehen. Zahlen Banken denn keine Steuern? So kann eine Ratingagentur die Banken eines Staates praktisch über Nacht dazu zwingen, profitable Geschäfte zu veräußern. Die risikobehafteten Geschäfte werden wohl so schnell keinen Abnehmer finden? Nur um die Eigenkapitalquote weiter zu erfüllen. Was einem dabei  immer wieder aufstößt, ist, dass es keinerlei Rat gibt, sich aus den Zockereien der „Finanzindustrie“ heraus zu halten. Vielmehr stellt diese Regulierung einzig und alleine sicher, dass sich die Zocker der „Investment-Banken“ einen gewissen Betrag von den Geschäfts-Banken sicher „ergaunern “ können.

Angst vor Klagen
In vielen Artikeln und Beiträgen äußern „Experten“ die Sorge, dass zukünftig Banker wegen jedem Geschäft verklagt werden können. Diese Sorge verstehe ich vollkommen, denn das Regelwerk ist sehr komplex, teilweise sogar widersprüchlich. Doch da wird sicher noch nachgebessert. Doch auch wenn es wirklich gelingt alle Widersprüche zu beseitigen, wird es nach jedem Einbruch eine Unmenge an Klagen regnen. Sehr wahrscheinlich nach dem selben Muster wie bisher? Die Verbrecher werden, im Verhältnis zu den ergaunerten Gewinnen, mit kleinen Strafen bedacht?

Durchführbarkeit
Im Grunde ist jedoch alles völlig egal. Denn wenn man  sich bis zum Ende durchkämpft, wird einem sehr schnell klar, dass „Basel III“, so wie es bisher geplant ist, gar nicht durchführbar ist. Die Diskussionen rund um die Offenlegung von Thrusts (Schattenbanken und komplizierte Gesellschaftsformen, um Steuern zu vermeiden) werden noch lange Zeit laufen. Die Hoffnung, dass Geschäfte mit „Kontrahenten“ vermieden werden, die eigentlich schon insgeheim über Thrusts bereits Partner sind, kann nur erfüllt werden, wenn alle Geschäftsbeziehungen eines Geschäftspartners offen einsehbar sind. Sicher eine erstrebenswerte Situation für die Finanzminister der Staaten. Doch ob wir da nicht etwas starten, was uns gar nicht so recht sein sollte?

Die Geister die wir riefen
Denn eine gewaltige Gefahr für jedes kleinere Institut ist einfach dann gegeben, wenn alles so durchgeführt wird, wie „Basel III“ es vorsieht. Denn so können die großen „Investmentbanken“ und Konzerne die Konkurrenz gezielt und völlig gefahrlos ausschalten. „Basel III“ ist nichts anderes als ein Regelwerk à la Monopoly, welches eben nur einen Sieger zulässt. So zur Bestandsgarantie für Großbanken verkommt. George Soros steht sicher schon wieder in den Startlöchern um zu zeigen, wie dumm die Politik ist und er gezielt ganze „Märkte“ mit seiner Finanzmacht kontrollieren kann. Denn jede Bewegung der Märkte, ist ab der Umsetzung von „Basel III“ voll überschaubar. So kommt man zu dem Schluss:

Wer die Zockerei in den Casinos der „Finanzindustrie“ nicht einschränkt, hat das wahre Problem nicht erkannt und ist demnach nicht fähig den Verwerfungen der „Märkte“ Einhalt zu gebieten.

Relevante Links:

 Aktuelle Version von „Basel III“ in deutsch
Leitfaden zu „Basel III“ der deutschen Bundesbank

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2 Responses to „Basel III“, oder die Geister die wir rufen?

  1. Armando Kaegi says:

    Es ist lächerlich und naiv zu glauben, dass mit Basel III irgendwas zur Besserung der Finanzrisiken für das Steuerzahlervolk erreicht werden könnte! Ohne ein eisernes Korsett, das Gross-Risiken im Investmentbanking stark eingrenzt ist da Nichts, aber auch gar Nichts erreicht. Die steigenden Aktien zeigen es.

    Banker werden einen eleganten Umweg finden um behindernde Vorschriften zu umgehen.

    • Wildweststeirer says:

      Was soll man da noch umgehen Armando?
      Sie schaffen sich ein wunderbares System, den Status als Tyrannen der Politik und Wirtschaft zu erhalten.