Sind wir nicht alle ein wenig Erika Mann?

Wie kommt es, dass sich Barak Obama noch immer als Präsident hält? Richard Nixon musste wegen eines im Vergleich zu Tempora oder Prism geradezu lächerlichen Lauschangriff auf politische Gegner und seiner Weigerung zur Aufklärung beizutragen, sein Amt niederlegen. Haben sich die Zeiten denn so geändert? Sind die Bedrohungen durch Terror wirklich so groß, dass wir bereit sind die absolute Überwachung von Organisationen zu akzeptieren, die durch ihre Sonderrechte über dem Gesetz stehen? Oder ist es ein Ergebnis von sehr gut koordinierter Lobbyarbeit, dass wir ständig Angst vor Terror haben und so unsere Freiheit einer vermeintlichen Sicherheit opfern? Lassen Sie mich Ihnen zwei Personen vorstellen, die zu verschiedenen Zeiten lebten.

Erika Mann (Kabarettistin)

Erika Mann (Kabarettistin)

Erika Mann (geb. 9. November 1905, † 27. August 1969)
Erika Mann war die Tochter von Thomas Mann und als Kabarettistin sowie als Autorin erfolgreich. Nach der Machtübernahme durch Hitler flüchtete sie in die Schweiz und engagierte sich später in den USA gegen den Nationalsozialismus. Auf Anregung von Erika Mann und mit Unterstützung der Präsidentengattin Eleonore Roosevelt, gründete sich das „Emergency Rescue Committee“, eine Organisation zur Rettung der wegen ihrer politischen Haltung oder ihrer Religion verfolgten Deutschen, die in Frankreich nach der Besetzung durch „Hitler-Deutschland“ festsaßen. Immerhin konnten so ca. 4000 Menschen, unter ihnen Franz Werfel und Marc Chagall, gerettet werden. Wie viel Chancen hätte man wohl bei dieser Rettung gehabt, wenn man Deutschland vorab für die Rettung zur Kasse gebeten hätte?

Erika Mann (geb. 2. November 1950, Facebook Lobbyistin seit 2009)
Erika Mann vertrat die SPD von 1994 bis 2009 im Europäischen Parlament. Die Liste der Ausschüsse und Organisationen in denen Erika Mann mitwirkte, würde den Beitrag bei weitem sprengen. Schon zu dieser Zeit engagierte sie sich nebenbei für die Lobbyorganisation „Robinson Linton Associates“, die heute zu der PR-Agentur „Burson-Marsteller“ gehört und für ihre zweifelhafte Aktion, im Auftrag von Facebook Journalisten zu bezahlen die gegen Google schreiben, in Verruf geraten ist. Die Zusammenarbeit war so eng, dass viele die Gründung der European Internet Foundation EIF ihr mit anrechneten. Offiziell dient die EIF als Plattform, Abgeordnete, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen  zusammenzuführen, um effizienter Intergroups (Interfraktionelle Arbeitsgruppen) bilden zu können, die sich mit dem Datenschutz, sowie Patenten für Software und Gesetzen in der IT Branche beschäftigen. Kritiker sehen darin nur eine Plattform die es den Unternehmen erleichtern soll, Lobby-Interessen in das EU-Parlament zu tragen. Gerade bei Anträgen zum Datenschutz durch Mitglieder der EIF im EU-Parlament, entsprechen die Anträge oft sehr genau den Vorgaben und Wünschen der Industrie sowie der IT-Unternehmen. Nachdem Frau Mann 2009 nicht wiedergewählt wurde, bekam sie einen Posten in Brüssel als Cheflobbyistin von Facebook.

Aus der aktiveren Zeit
Bevor sie zur Lobbyistin für Facebook wurde, hat sie mehr oder weniger zu jedem Thema offiziell Lobbyarbeit betrieben. Sie hat sich bis zu ihrem Einstieg bei Facebook zu praktisch jedem Thema geäußert, ohne je wirklich etwas zu sagen. Themen zu zerreden kann auch ein erfolgreiches Mittel sein, politische Interessen zu unterstützen. Dennoch ist in ihrem Beitrag zu Guantánamo ihre Einstellung klar zu erkennen. „Für die Guantánamo-Insassen, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückkehren können oder wollen und die unschuldig sind, hält Erika Mann ein Wiedereingliederungs- und Rehabilitationsprogramm für sinnvoll, dass von der US-Regierung und internationalen Organisationen aufgelegt werden sollte.
Wie soll dass bitte funktionieren? In einer Welt, in der die sagen was gemacht wird die bezahlen, kann man davon ausgehen, dass diesen Personen nun ein Leben unter Überwachung ihrer Peiniger zugemutet wird? Es geht hier um 240 Menschen, deren Freilassung seit 2009, aus einem Völkerrechtlich illegalem Gefängnis, aus verschiedensten „Gründen“ hinausgezögert wird.

Erika Mann, (die Lobbyistin)
… ist sicher kein schlechter Mensch. Sie wird wahrscheinlich nicht mal verstehen, was sie mit ihrer Arbeit anrichtet? Wenn wir uns jedoch die Zusammenhänge zwischen den großen Werbeagenturen, den Wirtschaftsprüfungskonzernen und den „Denkfabriken“ ansehen, verstehen wir sehr schnell, dass wir einem Heer von Menschen gegenüberstehen, denen es oftmals völlig reicht, wenn sie Gesetzesänderungen verzögern können. Setzen wir uns also mal für 5 Minuten hin und überlegen, welche Erika Mann wir selbst sein wollen?

Wünsche Ihnen einen schönen Unabhängigkeitstag, Ihr Wildweststeirer

Gabi Fiege hat im me-magezine eine hervorragenden Artikel über „Denkfabriken“ geschrieben: Wer finanziert die Think Tanks?

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