Wirtschaftstreuhänder sind befangen und damit illegal

Fast 30.000 Gesetze listet die Datenbank von „jusline Österreich“  bei der Suchanfrage nach „Wirtschaftsprüfer“ auf. Das Wort „Steuerberater“ listet 50 Einträge, das Wort „Kind“ 600 Einträge und auch das Wort „Arbeit“ kommt gerade mal auf 1400 Einträge. Schon das zeigt uns, welch zentrale Funktion Wirtschaftsprüfer in der Kontrolle der Unternehmen haben. So legt das österreichische WTBG (Wirtschaftstreuhandberufsgesetz) auch fest, dass die „Kammer der Wirtschaftstreuhänder“ eine „Richtlinie für die Ausübung der Wirtschaftstreuhandberufe“ zu erlassen hat. Daher geht heute ein Brief an den Präsidenten der „Kammer der Wirtschaftstreuhänder“ Herrn Dr. Klaus Hübner.

Dr. Klaus Hübner (Quelle BMF)

Dr. Klaus Hübner (Quelle BMF)

Sehr geehrter Herr Präsident!

Mir ist es heute ein Anliegen, Sie persönlich zu kontaktieren, denn auch wenn das Gesetz es nicht explizit vorsieht, dass in der „Richtlinie für die Ausübung der Wirtschaftstreuhandberufe“ der Umgang mit Steuerbetrug oder Steuervermeidung insbesondere zu regeln sind, ist sich die KWT doch offensichtlich sehr wohl ihrer großen Verantwortung bewusst.
Zitat aus dieser Richtlinie: „Die Berufsberechtigten eines Wirtschaftstreuhandberufes sind für den Rechtsstaat unentbehrlich und tragen in ihrer beratenden Funktion maßgeblich dazu bei, die Besteuerungsgerechtigkeit zu gewährleisten und das Vertrauen des Steuerbürgers zum Staat zu stärken.
Da ist der Steuerbürger nun schon mal sehr beruhigt. Doch warum finden wir Steuerbürger denn keinerlei Hinweise, dass Steuerbetrug zu vermeiden ist? Klar ist es als positiv zu sehen, dass sich Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in einer Kammer organisieren und so einen gegenseitigen Austausch an Erfahrungen ermöglichen, doch stellt sich für den Steuerbürger, der nicht international agiert und versucht seine Steuern über Steueroasen gering zu halten, die Frage, warum Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in einem Unternehmen zusammen tätig werden können?

Die Steuerberater
sind dem Unternehmen verpflichtet für dass sie arbeiten. Steuervermeidung und Senkung der Ausgaben an den Fiskus stehen ganz klar in der Aufgabenliste. Keiner kann einen Steuerberater dafür verurteilen, wenn dieser in den Gesetzen nach Möglichkeiten sucht, Ausgaben seines Auftraggebers zu verringern. Das ist schließlich sein Job.

Wirtschaftsprüfer
sind dem Unternehmen, für das sie tätig sind, wie auch der Allgemeinheit verpflichtet. Immerhin übernehmen sie mannigfaltige Aufgaben, die durchaus auch eine entscheidende Bedeutung für die Wirtschaft als Ganzes haben. Gutachten, Analysen, wie auch gesetzlich verankerte Wirtschaftsprüfungen von Unternehmen, führten in der Vergangenheit schon dazu, dass Unternehmen Konkurs anmelden mussten. Viele Anleger sehen in den Veröffentlichungen dieser Wirtschaftsprüfungsberichte eine ausführliche Informationsmöglichkeit, die sie dazu veranlasst, Investitionen zu tätigen oder eben abzuziehen. Veröffentlichungen können also durchaus mit denen der Ratingagenturen verglichen werden.

Wirtschaftstreuhänder
bieten nun neben der Rechtsvertretung beide obig erwähnten Aufgaben aus einer Hand an. Gerade die als „Big Four“ bekannten, international agierenden Unternehmen stehen so den national agierenden Steuerprüfern gegenüber. Sprich, die Steuervermeider dürfen grenzüberschreitend agieren, während für Beamte, welche unsere Interessen vertreten, an der Staatsgrenze ihre Befugnis endet. Gut, dafür müssen internationale Vereinbarungen getroffen werden. Doch wäre dies nicht an Ihnen, zu hinterfragen, warum diese Wirtschaftstreuhandunternehmen gleichzeitig Geschäftsmodelle zur Steuervermeidung anbieten und diese dann selbst überprüfen? Immerhin legt auch die Richtlinie der KWT fest:
„Berufsberechtigte sind befangen, wenn Umstände vorliegen, die es nach objektiver Prüfung und Beurteilung rechtfertigen, die Unbefangenheit in Zweifel zu ziehen. Dabei genügt der Anschein der Voreingenommenheit oder die Besorgnis, dass bei Ausübung der Tätigkeit andere als rein sachliche Überlegungen eine Rolle spielen könnten.“

Sorry Herr Hübner, wer in den Netzwerken dieser „Wirtschaftstreuhänder“ keine Befangenheit erkennt, muss blind sein wie Justitia vor unserem Parlament. Und wenn Sie nun davon ausgehen, dass die Mitarbeiter doch alle rechtschaffene Bürger sein müssen und an die Einhaltung von Gesetzen gebunden sind, wie kann es dann sein, das die „Big Four“ vor dem britischen Unterhaus beteuern, ein Steuersparmodell nur dann dem Kunden zu empfehlen, wenn dieses mit 50 prozentiger Sicherheit auch vor dem Gesetz durchkommt? Wir sprechen nicht von 50 % illegalen Praktiken bei der Steuervermeidung, sondern von einer 50% prozentigen Wahrscheinlichkeit dabei nicht erwischt zu werden.

Sie wundern sich sicher nicht, dass ich als Steuerbürger mein Vertrauen in diese „Wirtschaftstreuhänder“ verloren habe? Doch eventuell können sie dieses wieder herstellen?

Mit freundlichen Grüßen, Johannes (der Wildweststeirer) Schreiner

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