„Elitensozialismus“ weiter auf dem Vormarsch

Nun ist es also soweit. Anders als in Deutschland hat man sich bei uns in Österreich auf die „Große Koalition“ geeinigt und erst im nachhinein verhandelt. Was dabei heraus kam ist von dem was wir in Deutschland sehen kaum unterscheidbar. Auch wenn der Kanzler in Österreich von der Sozialdemokratischen Partei gestellt wird, ist das Ergebnis dasselbe. Die Konzerne und „Investmentbanken“ haben es geschafft, die Politik weiter in Richtung „Elitensozialismus“ zu drängen und für den Arbeiter wie den KMUs  den liberalen Staat weiter auszubauen. Besonders hart hat es hier das österreichische Wissenschaftsministerium erwischt. Es wurde nun einem bestehenden Ministerium unterstellt. Anders als es die Logik jedoch vorsieht, wurde es nicht dem Ministerium für Unterricht unterstellt, sondern in das Wirtschaftsministerium eingegliedert. Forschung hat sich nun gänzlich der Ökonomie zu unterwerfen? So möchte ich heute dem ehemaligen Minister für Wissenschaft mein Bedauern ausdrücken und ihn einige Fragen stellen.

O. Univ.-Prof. Mag. Dr. Karlheinz Töchterle

O. Univ.-Prof. Mag. Dr. Karlheinz Töchterle

Sehr geehrter Herr Dr. Töchterle!

Vorweg möchte ich mein tiefes Bedauern ausdrücken, dass Ihr Resort nun gestrichen und dem Wirtschaftsministerium unterstellt wurde. Wirklich schade, dass sich die Wissenschaft zukünftig der Wirtschaft unterwerfen muss. Die Aussage Ihres „Parteikollegen“, sie selbst betonen ja parteiunabhängig zu sein:  „Es gibt immer Enttäuschungen bei denen, die nicht mehr dabei sind“ ist ja wiederum das Totschlagargument der „Eliten“ schlechthin. Sicher kein erhebendes Gefühl, wenn einem der Neiddebattenvorwurf gemacht wird, wenn man nun aus der „Elite“ der Minister ausgeschlossen wurde? Doch komme ich leider nicht umhin, Ihnen einige Fragen zu stellen. Doch dazu vorweg eine kleine Episode aus meinem Leben als Angehöriger der Nichtelite.

Nur eine Idee
Als ich vor ca. 2 Jahren in einer Diskussion mit meinen Freunden in der Meerwasseraquarisstik auf einen Widerspruch in den gängigen Theorien stieß, kam mir (Ausgebildeter Elektriker und Imker) eine neue Theorie zur Erklärung eines Phänomens in der Biologie. Diese hätte, wenn bestätigt, große Auswirkungen auf die Zoohaltung von Meerestieren und könnte sogar für die Gewinnung von Energie mittels Sonnenlicht von Bedeutung sein? Nun da ich weder reich noch gierig bin, habe ich die beiden österreichischen Institute, welche für die Förderung der Grundlagenforschung verantwortlich sind, angeschrieben und ihnen meinen Gedankengang beschrieben. Bot also die Idee gegen null Bezahlung der Österreichischen Forschung an.

Sie kennen den Wissenschaftsbetrieb sicher besser als ich?
Also brauche ich Ihnen nicht zu schreiben, dass sich die FWF nicht mal zurück meldete. Wer nimmt schon die Gedanken eines Elektrikers ernst? Anders sah es bei der FFG aus. Diese meldete sich sofort zurück und bekundete Interesse. Nach mehreren Mails und zwei Telephonaten mussten die Damen mir jedoch mitteilen, dass die Idee sehr gut ist und auch eine große Hoffnung in der Grundlagenforschung bergen würde, doch eine Förderung nur möglich ist, wenn ich einen Hersteller finde, die den wissenschaftlichen Erfolg auch in einen wirtschaftlichen Erfolg umwandeln kann. Sorry Herr DR. Töchterle! Ich möchte keinesfalls, dass eine Idee mit einem solchen Potential einem Unternehmen, geschweige denn einem Konzern gehört. Nur um dies klar zu stellen. Es geht um 5000 bis 10.000 Euro Laborkosten, um den vermuteten Effekt mal nachzuweisen. Das habe ich den Damen bereits beschrieben. Ich wollte, dass die Idee meinem Heimatland gehört und dieses sollte diese auch vermarkten können.

Doch was soll man von einem Wissenschaftsminister erwarten?
Der beim Amtsantritt: (Zitat) „Wenn man in Österreich mehr Geld für die Unis will, dann muss bei diesem Geld auch privates Geld dabei sein.“ verkündet und sich in seiner gesamten Amtszeit nicht gegen dieses Systems von Verrat an der Grundlagenforschung zur Wehr gesetzt hat? Tja, jetzt sind Sie ja offensichtlich bereit Kritik zu üben und das System zu hinterfragen, denn nach dem Bekanntwerden der Streichung des Wissenschaftsministeriums sagten Sie gegenüber dem Standard: „Die stärksten Kräfte sind immer Interessenlagen und die sind meistens ökonomisch unterfüttert, wie Goethe sagt: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.“ Das ist so, und weil’s so schrecklich trivial ist, mag man es kaum glauben.“

Richtig Herr Dr. Töchterle
Genau diese triviale Erkenntnis bewog mich dazu, mich von dem oben genannten Projekt vorerst abzuwenden und nun zu versuchen, den Bürgern durch populärwissenschaftliche Erklärungen die Verwerfungen in unserer Wirtschaft und den Wirtschaftswissenschaften näher zu bringen. Ihre Aussage: „Und die Lippenbekenntnisse sind ja da, siehe etwa die Strategie für Forschung, Technologie und Innovation, siehe Vizekanzler Spindelegger, der selbst sagt, bis 2025 brauche man sechs Prozent Forschungsquote. Ich müsste wieder Goethe und Faust zitieren: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Aber auch das ist trivial.“ zeigt dass auch Sie die Richtung erkennen. Und so trivial finde ich diese Aussage gar nicht. Angesichts der sonstigen Veränderungen in der Besetzung der Ministerposten würde ich sogar sagen: Das hat mit Glauben weniger zu tun als mit Wissen.

  • Eine Lobbyistin besetzt nun das Familienministerium, deren wichtigste Erkenntnis bisher war: „Die Menschen trinken Mineralwasser wenn sie durstig sind.“ Sie wissen nicht zufällig was die Studie gekostet hat die zu diesem Ergebniss führte?
  • Ein junger Powerpolitiker ist nun für die Integration zuständig, der „Integration durch Leistung“ als Schlagwort etablierte und die Leistung natürlich wieder nur am wirtschaftlichen Erfolg (Einkommen) maß. Ob die Leistung für die Gesellschaft wichtig ist spielt da keine Rolle.
  • Und als Krönung haben wir nun einen Justizminister der sich bisher bei der Vereidigung von Wirtschaftsverbrechen in der Politik einen Namen gemacht hat.
  • Ein Finanzminister der wie er selbst zugibt keine Ahnung von Wirtschaft hat und sich dazu seine eigene Lobbyorganisation gegründet hat.

Mal unter uns Herr Dr. Töchterle!
Da ist Glaube gar nicht mehr nötig. Es ist nun mal so, dass die Idee vom grenzenlosen Gewinn der Alchemie gleicht, die auch versuchte Gold aus Tand zu gewinnen. Dies ist jedoch nicht möglich und die Idee kann nur durch Betrug, der sich mittlerweile bis in die Wirtschaftswissenschaften wie eine Zecke eingenistet hat, erhalten werden. Wie wäre es wenn Sie sich auf Ihre Anfänge zurück besinnen und an den alten Staatsmann Cicero denken, über den sie doch eine so wunderbare Arbeit geschrieben haben.
Wie sagte dieser doch so treffend: „Keine Staatsform bietet ein Bild hässlicherer Entartung, als wenn die Wohlhabendsten für die Besten gehalten werden.“
Dies gilt insbesondere hier, da wir mittlerweile ein System von Lobbyismus und Gewinnsucht etabliert haben, in der alle nur mehr versuchen ihre Verstrickungen zu vertuschen, dass sie in einem wahnwitzigen Glauben an die „Finanzindustrie“ machten.

Sollten Sie es wirklich ernst meinen und sich auf die Seite der Kritiker begeben, bin ich gerne bereit Ihnen beizustehen. Nicht für Gold, sondern für die Gewissheit, dass unsere Kinder mal stolz sagen können: „Unsere Väter haben sich für das Richtige eingesetzt.“ Denn dieser Sozialismus für „Investmentbanken“ und „Eliten“ muss endlich ein Ende haben.

Liebe Grüße und ein schönes besinnliches Weihnachtsfest mit den Ihren,

Johannes (der Wildweststeirer) Schreiner

P.S.
Dr. Karlheinz Töchterle hat am darauffolgenden Tag geantwortet.
Die Antwort können sie hier nachlesen.
Cicero und Goethe

Tagged , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.